Alle Beiträge

Sicherheit ist eine körperliche Erfahrung

Eine Reflexion über co-regulative Beziehungserfahrung – wie das Nervensystem aus dem Alarm in sein Toleranzfenster zurückfindet.

Dieser Moment … wenn das System Alarm meldet, Hochstress einsetzt und klar ist: Es geht weder vor noch zurück. Weil verschwimmt, was richtig und was falsch ist.

Hier tut es gut, einmal zu bleiben. Zu verweilen. Zu atmen. Innezuhalten.

Das ist die Kunst.

Wer hält diesen Moment mit mir? Kann ich ihn selbst halten? Noch nicht. Noch bin ich auf ein Gegenüber angewiesen, das meinen inneren kleinen Anteil wahrnimmt und hält.

Dieser Anteil braucht Gesehenwerden.

„Schau, da bist du aktiviert.” „Lass uns einen Moment hier bleiben.” „Schließe einmal deine Augen und nimm wahr, was sich in dir zeigt.”

Im Kontakt merke ich, wie langsam Ruhe einkehrt und die Anspannung nachlässt. Aha. Meine Kleine braucht Kontakt und Zuwendung.

„Schau, ich bin da. Ich halte dich – mit offenen Armen, zugewandt und auf Augenhöhe, meine Kleine.”

Ich atme mich weiter in die Entspannung hinein.

„Und ich bleibe da. Und wenn du kommen magst, bin ich hier.”

Jetzt fühle ich mich leicht und frei. Ich spüre: Ich kann nichts falsch und nichts richtig machen. Alles ist sicher.

Was für eine heilsame Erfahrung.

„Und wenn du magst, kannst du deine Augen öffnen und in Kontakt gehen. Und du kannst sie wieder schließen, wenn es genug ist.”

Da ist wieder ein Aufsteigen von Stress. Ich lasse die Welle ein wenig höher werden und atme. Die Augen bleiben geschlossen.

Jetzt möchte ich sie öffnen.

Hui. Das war nah. Schnell wieder schließen.

Die Augen dort drüben waren freundlich, warm und wohlwollend.

Mit geschlossenen Augen finde ich zurück in die Ruhe in mir.

Jetzt will ich es noch einmal probieren: Augen auf. Schnell zu. Und genauso schnell wieder auf.

Hahahahaha.

Das fühlt sich plötzlich sogar positiv-spannend an. Meine lebendige, spielerische, neugierige Seite kommt an Bord. Toleranzfenster: grün. Kontakt ist sicher.

Jippii.


Was hier erfahrbar wird, ist eine co-regulative Beziehungserfahrung: Durch sicheren, wohlwollenden Kontakt kann das Nervensystem aus dem Alarmzustand zurück in sein Toleranzfenster finden. Die Aktivierung muss nicht bekämpft oder vermieden werden, sondern darf im Gegenüber gehalten und integriert werden. Schrittweise entsteht daraus die Fähigkeit zur Selbstregulation – und die Erfahrung, dass Kontakt möglich ist, ohne sich selbst darin zu verlieren.

Kontakt ist möglich. Und ich bleibe dabei ganz.